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Warning - Watching From A Distance



Eins weiss ich, hätte ich diese Band zwei Wochen später kennengelernt, hätte ich mir schon längst den Arsch wundgebissen. Aber zum Glück habe ich noch die allerletzte CD des Debuts 'The Strength To Dream' direkt beim Label abgreifen können und war schon da vom richtig langsamen Doom der Engländer begeistert. Neben der mitleidenden Stimme von Pat Walker war es besonders das Drumming von Stu Springthorpe, das es mir angetan hat. Diese hämmernden Tom-Fills habe ich nie mehr aus dem Kopf bekommen. Als die Band für das dritte Doom Shall Rise bestätigt wurde, war klar, daß ich schon allein wegen ihnen wieder hinfahren würde und bei den Göttern, nie hat sich ein Konzert mehr gelohnt. Eine komplette Halle, die 20 Minuten lang nach einer Zugabe schreit, auch nachdem die Band längst gesagt hat, daß sie gar nichts mehr spielen können... man muss dabei gewesen sein, denke ich. Diesen Auftritt habe ich über diverse dunkle Kanäle auch auf DVD auftreiben können und habe mich so mit den beiden dort gespielten neuen Songs 'Watching From A Distance' und 'Footprints' vertraut machen können. Besonders letzteres ist mit seiner göttlichen Gesangsmelodie einfach nur die Wucht. Von da an waren die Stationen relativ überschaubar, 'Footprints' wurde auch vorab auf der Label-Homepage veröffentlicht und im Januar 2007 holte ich die auf 150 Stück limitierte Holzbox-Version der CD aus dem Briefkasten und seitdem ist mein Leben nicht mehr dasselbe.

'Watching From A Distance' ist in jeder Hinsicht eine Steigerung zum Vorgänger und der war ja schon genial. Aber Nebensächlichkeiten, wie daß die Produktion wuchtiger ist, interessieren hier eigentlich überhaupt nicht. Nein, was die Scheibe so besonders macht, sind die Emotionen die man bei jeder einzelnen Note heraushören kann, die Pat bei jeder einzelnen Textzeile unterbringt... Mensch, ich könnte heulen, wenn ich nur so drüber nachdenke.
Los gehts mit dem Titeltrack und sofort wird deutlich, daß Warning nach wie vor nichts davon halten, Songs mit "normalen" Spieldauern zu schreiben. Der Song dauert so lang, wie er dauern muss und basta. Und auch wenn Riffs, wie gerade bei diesem Song, einfach nur 20mal am Stück wiederholt werden, wird es einfach nicht langweilig und genau das macht Warning zu so etwas besonderem. Erst nach etwa drei Minuten prinzipiell simpler Riffs, unterlegt mit abwechslungsreichen Drums, setzt der Gesang ein und drückt einem förmlich in den Sessel oder wo immer man auch gerade drauf sitzt. Ich finde es immer noch sehr schade, daß Warning nie wirklich ihre Texte abgedruckt haben, aber andererseits haben diese im Gesamten für mich eh immer relativ wenig Sinn gemacht (von 'The Return' mal abgesehen): Aber in fast jedem Text sind so ein paar Ausschnitte, die für mich unsterbliche Textzeilen sind. Und so auch hier: "And then I remember, that I know you love me, I know you do". Klingt simpel, aber muss man Pat mal singen hören. Wer davon keine Gänsehaut bekommt, ist schlicht und ergreifend tot.
'Footprints' ist gleich der nächste Song und für mich der beste Song, den Warning je geschrieben haben. Hier passt wirklich alles, die Gesangsmelodie ist ja sowas von nicht von dieser Welt, die Bilder die Pat heraufbeschwört von einem Krieger, der vor der Ruine dessen steht, was er zu schützen geschworen hat, des gebrochenen Mannes, der nackt und frierend, ohne Rüstung und Schwert auf der Suche nach Schutz und Geborgenheit ist... zwischendrin im Mittelteil Melodien, bei denen mir jedesmal die Tränen kommen und ein - gerade gesanglich - unglaublicher Höhepunkt zum Schluss. Punkt, aus, Ende: Das mitreißendste Stück Musik, das jemals geschrieben worden ist.
Was für diese beiden Songs gilt, gilt auch für die restlichen drei Songs auf der Scheibe, ob sie nun - wie 'Bridges' und 'Echoes' ein wenig introventierter klingen oder wie 'Faces' eine förmliche Wand von Gefühlen darstellen, die ganze Scheibe ist nur so überfüllt mit Höhepunkten: die bei 'Bridges' immer wiederkehrende Textzeile "I wish you were with me tonight" und die darauffolgende Melodie aus vier Tönen, das so simple und doch so wirkungsvolle Intro von 'Faces' und dessen grandioses Ende oder die letzten 2,5 Minuten von 'Echoes', eine gefühlvolle Gitarrenmelodie, die das Album so perfekt zusammenfasst und mal rein gar nichts mit den spontan zusammengeschusterten seelenlosen Gitarrensolos anderer Bands zu tun haben.

Pat und Stu habe ich beim Doom Shall Rise kennengelernt und war so unglaublich beeindruckt davon, daß diese Band kein Image irgendeiner Art hat. Hier stehen keine pubertären Jungs auf der Bühne, die einen Emo-Trip abziehen, hier gibt es keine Rüschenhemden... hier stehen drei Männer auf der Bühne, die es geschafft haben, Gefühle, die jeder von uns schon gehabt hat, in Musik zu verwandeln und zwar auf eine Art und Weise, die einfach nur perfekt ist. Ich könnte mir gut vorstellen, daß jemand, der nur die Scheibe kennt, sogar von der Erscheinung der Band enttäuscht werden würde, aber mir hat gerade das gefallen, daß sie eben die Jungs von nebenan sind. Im Ernst, ich könnte keiner Image-Band solche Musik abnehmen und keine Band könnte um ihres Images willen solche Musik schreiben.

Als kleine Anekdote vielleicht noch der Hinweis, daß ich mich mit Stu länger über die - mir nicht bekannten - beiden Demos der Band unterhalten habe, die er mir zuschicken wollte, was wir dann aber doch gelassen haben, da die Demos der limitierten Version von 'Watching From A Distance' beiliegen. Ich wollte die beiden Dinger echt gerne hören und ich habe sie ja nun auch schon seit über neun Monaten hier rumliegen. Und was ist los? Niemals, kein einziges Mal habe ich sie mir angehört. Ich bin noch niemals auf die Idee gekommen, wenn ich Warning hören möchte, nicht 'Watching From A Distance' zu hören. Noch nie. Werde ich wahrscheinlich auch nie.

Wenn Gott Metal spielen würde, würde er Warning-Songs covern.

I am not feeling the green burning flame
As I gaze back along footprints you have made
I am not dreaming of more than you have shown
You are not a foundation, you are not a stone
But I'm afraid of the way that I'm feeling
Afraid of this new understanding now
Afraid for the beauty within me
And that which I hold within my hands
And this is the ultimate secret
That many before me have ever known
So capture me while I am weakest
I want to know, I want to know...

Here I am wide open
Surrender into your side
I have laid down my armour
I have no sword at my side
I leave behind me the ruins
Of the fortress I've sworn to defend
I leave behind me foundations
I leave you a man, I leave you to mend
And through all the battles around me
I never believed I would fight
Yet here I stand a broken soldier
Shivering, naked in your winter light

- Warning: Footprints
9.9.07 16:45
 



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