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Primordial - The Gathering Wilderness

Es passiert selten, daß ich über eine Idee überhaupt noch einmal einen Tag lang nachdenke, bevor ich sie ausführe, aber auch einen Tag danach kommt es mir immer noch nicht wie eine schlechte Idee vor, in unregelmäßigen Abständen etwas über die Scheiben zu schreiben, die mir am meisten bedeuten.

Den Anfang müssen Primordial machen, irgendwie war die Band ja der Vater dieser Idee.



Welches Album mir von der Band am meisten bedeutet ist einfach zu beantworten. Das neueste und auch das erste, das ich von ihnen gehört habe. Ich habe auf www.vampster.com von der CD gelesen und mich dunkel erinnert, daß ich schon vor etlichen Jahren im Rock Hard mal etwas über die Band gelesen habe. Es muss wohl zu einer Zeit gewesen sein, als ich Geld übrig hatte, und so ist diese CD in meinen Besitz gewandert.

An meine ersten Durchläufe von 'The Gathering Wilderness' kann ich mich gar nicht mehr erinnern, da habe ich es wohl für eine nette Bathory-Kopie gehalten. Richtig umgehauen hat mich das Ding eigentlich erst, als ich mir die beigelegte DVD angeschaut habe und Ausschnitte von den Aufnahmen gesehen habe. Allein der Bursche, bei dem sie aufgenommen haben, ist Geld wert. Er sieht aus wie der König des Schmutzes und genauso klingt die Scheibe auch. Dreckig aber doch irgendwie warm. Die totale Antithese zu den von mir so "geliebten" totklingenden Digitalproduktionen.

Und dann war da ja noch die Musik. Irgendwo habe ich mal den Ausdruck Verzweiflungs-Metal in Verbindung mit Primordial gehört, aber ich finde, das trifft es nicht. Es geht noch weiter, die ganze Scheibe ist das vertonte Zähnefletschen nach einem Tiefschlag und der Gedanke "Wenn ich schon untergehe, dann nehme ich euch mit!".

In den Liner-Notes zum Album schreibt Alan, daß die Welt ein sehr viel dunklerer Ort geworden ist und 'The Gathering Wilderness' drückt wirklich genau die Gefühle aus, die ich empfinde, wenn ich in die Zukunft blicke. Wahrscheinlich bedeutet mir das Album deswegen so viel, weil ich mich darin wunderbar wiederfinden kann. Es passt aber auch wirklich alles perfekt zum Thema: Das Coverartwork mit den Vögeln vor dem sich zu einem Sturm verfinsternden Himmel... wir alle sind Vögel und wir können dem Sturm der heraufzieht nicht ausweichen.
Weiter geht es mit dem klasse aufgemachten Booklet... Kein Hochglanz-Papier oder ähnliches, die Seiten sind ähnlich finster wie das Album, die Bilder nur grobkörnig... und ohne Scheiss, die Seiten fühlen sich sogar so an, wie das Album klingt: Rauh.

Das faszinierende ist aber, daß auch wenn auf den ersten Blick keine Hoffnung in der Musik zu erkennen ist, doch gelegentlich kleine Lichtstrahlen auftauchen. Das ist kein den Tod erwartendes Wehklagen sondern es ist eher das Sammeln zum letzten Kampf und niemand weiss, wie dieser Kampf ausgeht, vielleicht gibt es doch noch Hoffnung und es kommen bessere Zeiten.
Es ist das Brodeln, das ich in mir habe, wenn ich Nachrichten lese und wieder sehe, wie die Menschen von vorne bis hinten verarscht werden. Es ist Resignation da aber da ist auch die Hoffnung, daß die Menschen aufwachen und sich wehren. Auch etwas, was ich in diesem Album wiederfinde. Ein winziger Lichtschimmer in der Finsternis.

Neben 'End Of All Times (Martyr's Fire)', das perfekt alles ausdrückt, was ich versucht habe zu beschreiben, ist es vor allem das letzte Lied, 'Cities Carved In Stone', das es mir angetan hat. Weg ist sämtliche Wut und Aggression, die in den sechs Songs vorher da sind, weg ist das Brodeln und was bleibt ist ein Song, bei dem ich mich nie wirklich entscheiden kann, ob er positiv oder melancholisch ist oder einfach nur positiv-melancholisch. Ich habe schon mehrmals, wenn ich scheisse drauf war und bei Kerzen und Whisky Musik gehört habe, den Abend mit diesem Lied ausklingen lassen und ich hatte immer das Gefühl, daß es mir danach besser ging. Natürlich kann es auch am Whisky gelegen haben, aber ich bin immer mit der Gewissheit ins Bett gegangen, daß die Dinge nun schon wesentlich besser aussehen.

Ein letzter Punkt, der es für mich ausmacht, daß dieses Album so unglaublich gut ist, ist daß ich wirklich bei jeder Note heraushören kann, wie sehr die Band an ihre Musik glaubt. Selbst wenn ich mit der Musik rein gar nichts anfangen könnte, müsste ich einfach aufgrund der Überzeugung, die einfach nur aufgrund der Spielweise und dem intensiven Gesang rüberkommt, meinen Hut vor den Iren ziehen. Das hier ist keine seelenlose Plastikscheisse, ich kann die Emotionen, die diese Scheibe vermitteln will, wirklich spüren.

Wenn alles gut läuft, werde ich Primordial in zwei Wochen übrigens zum ersten Mal live sehen. Zweimal habe ich die Band schon knapp verpasst, einmal war ich sogar bei einem Konzert von ihnen und habe sie verpasst, weil ich nicht wusste, daß sie spielen... sehr peinlich, hehe. Aber ich bin unheimlich gespannt, wie die Songs von diesem Götterwerk live rüberkommen werden.

Is this all that we've been left?
Broaken oaths and betrayals
Empty words and dead rhetoric
Of my sold and broken culture

And I said once before
That time heals nothing
And I feel like a wounded animal
In the dying throes

And I am near to death
Yet with teeth bared
And my heels dug in the dirt
And the grave's rabid stare

Waiting for one last struggle
If I have (desire)
Mark my words
And gather your thoughts

Well these might well be my last days
Because I am about to eclipse my sun
And to collapse my star
And snuff out my flame
And reach into the void

Well these might well be my last days
But maybe, just maybe
I'll take you down with me


- Primordial: End Of All Times (Martyr's Fire)
13.5.07 20:31
 



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